Ids Hellinga, Diplom-Genetiker und Geschäftsführer des Friesenstammbuches in den Niederlanden berichtet im NL-Phryso 4/2008 über seinen Besuch bei der Hengstkörung der Arabo-Friesen und seine aus genetischer Sicht gewonnenen Erkenntnisse.
"Es kann manchmal sinnvoll sein, um über den eigenen Tellerrand hinweg zu schauen. Ein Beispiel. Ab und zu wird sehr wohl die hypothetische Frage gestellt, ob der Gebrauch von Arabo’s eine Alternative darstellen könnte, falls sich die Inzuchtproblematik als unlösbar herausstellen sollte. Hypothetisch, weil das Kreuzen nicht zur Diskussion steht, dies ist darüber hinaus satzungsgemäß so fest verankert, dass eine Änderung nur theoretisch möglich ist und weil die Notwendigkeit um zu kreuzen einfach nicht vorhanden ist.
Mehr aus Interesse, dann mit einer bewussten Frage im Hinterkopf, besuchte ich unlängst die Hengstkörung der Arabovereinigung. Mit Blick auf die Anzahl (mit Deckbeschränkung) gekörter Hengste (3 von den 15) sollte man von einer erfolgreichen Körung sprechen können. Eine qualitative Beurteilung ist schwieriger. Hierfür ist es meiner Meinung nach zu undeutlich, was man sehen will, was genau das Zuchtziel ist. Mit dem Schlagwort „Sportpferd“ ist dies nicht beschrieben. Schließlich kennt der Pferdesport viele Disziplinen und jede Disziplin stellt andere Anforderungen an das Pferd. Die phantastischen Ergebnisse von dem „Aerts/Schrijver-Team“ zeigen, dass die Arabo’s im Fahrsport viel leisten können, aber dies bedeutet natürlich nicht automatisch, dass dies auch in anderen Disziplinen der Fall sein wird. Auf Grund der fünfzehn für die erste Besichtigung vorgestellten Hengste, bin ich geneigt zu sagen, dass der Fahrsport auch die beste Disziplin für die Arabo’s ist. Die Bewegungsform und im Besonderen der Einsatz der Hinterhand ist mehr auf Schnelligkeit ausgerichtet, dann auf Tragkraft und Takt. Dies in Kombination mit dem sehr nach unten gebauten Rumpf (hohe Kruppe), macht die Arabo’s von Natur weniger geeignet für den Dressursport und das Showfahren. Gerade die Disziplinen, in denen das Friesenpferd Furore macht. Es fällt weiter auf, wie schnell man die Rasseeigenschaften, qua Front aber auch hinsichtlich der Bewegungsform, verliert.
Aber könnte der Arabo sehr wohl einen Beitrag liefern, um das Inzuchtproblem zu lösen? Von den fünfzehn vorgestellten Hengsten, hatten fünf Yk Danilo zum Vater und neun seinen Sohn Yk Dark Ynte. Dies, plus der Kenntnis, dass die Großmutter (mütterlicherseits) von Dark Ynte, auch die Mutter von Dark Danilo (Ynte’s Großmutter väterlicherseits und mütterlicherseits ist also die gleiche Stute), beantwortet eigentlich sofort diese Frage. Die Verwandtschaft der Arabo-Vatertiere ist extrem groß, was wiederum innerhalb dieser Population zu großen Inzuchtproblemen führen wird. Diesmal dann also keine Inzucht auf einen prominenten Friesenhengst, sondern auf eine (zu) geringe Anzahl von Vollblutarabern. Meine Schlussfolgerung ist deshalb, dass die Arabopferde prima Marathonpferde sind, aber aufgrund ihrer Eigenschaften weniger geeignet sind um das Friesenpferd als Dressurpferd und Showpferd, qualitativ zu verbessern. Darüber hinaus ist die genetische Basis, qua Blutführung zu schmal um bei der Inzuchtproblematik einen positiven Beitrag liefern zu können. Im Gegenteil, die Inzuchtprobleme werden, falls die Zuchtpolitik bei den Arabo’s nicht geändert wird, in kurzer Zeit größere Ausmaße annehmen als bei dem Friesenpferd. "
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Ratgeber Einsteiger