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Vier Bekannte Persönlichkeiten aus der Friesenszene nehmen Stellung zu der Frage: "Wie warm (oder kalt) ist das Blut von einem Friesen".

Oktober 2007.
In den letzten Wochen und Monaten hörte ich auf sehr unterschiedlichen Veranstaltungen mal, daß das Friesenpferd ja doch ein Kaltblut ist oder wie auf der Kaltblüter Veranstaltung in Detmold, ganz klipp und klar, das Friesenpferd ist kein Kaltblut. Eigentlich wähnte ich diese Diskussion als längst abgehakt und geklärt. Scheint wohl ein Dauerbrenner zu sein. Deshalb bat ich einige Vereinspersönlichkeiten um eine kurze Stellungnahme. Ich möchte mich an dieser Stelle noch für die überaus schnelle Beantwortung bedanken. Petra van den Heuvel wollte ich ein wenig mehr Arbeit zumuten und bat sie, um einen ausführlichen Artikel.

Horst Eberhardt, ehemaliger Vorsitzender des deutschen Friesenverbandes DFZ:
„Wer sich die Beschreibung einmal ansieht, was ein Kaltblüter ist (schweres Zugpferd, hohes Körpergewicht, ruhiges Temperament, nicht als schnelles Reitpferd geeignet, usw.) und sich einen Friesen auf der Wiese, beim Reiten oder Fahren ansieht oder noch besser selbst fährt oder reitet, beantwortet diese Frage nur mit einem klaren NEIN. Ein Friese ist weder ein schweres Zugpferd, noch hat er ein hohes Körpergewicht und Temperament hat ein Friese sicher reichlich. Für mich ist der Friese die beste und schönste Warmblutrasse der Welt, charakterlich ohne Probleme, der beste Partner für den Besitzer, die Familie, ideal für Sport und Freizeit“.

Ids Hellinga, Geschäftsführer und Diplom Genetiker des Friesenpferdestammbuches in den Niederlanden KFPS:
„Meiner Meinung nach, ist dies eine Einteilung die nicht (mehr) zeitgemäß ist. Was ist überhaupt ein Kaltblüter oder ein Warmblüter? Will man in dieser Terminologie weiter sprechen, dann würde ich sagen, daß angesichts der Zuchtzieländerungen, die in den vergangenen 20 Jahren statt gefunden haben, das Friesenpferd unter den Warmblütern positioniert werden müßte“.

Jan Hendriks, dienstältester Körmeister der Inspektion und Sprecher der Inspektion:
„Das Friesenpferd wird eigentlich von den meisten Pferdekennern zu den Warmblütern gezählt. Jedoch sind meiner Meinung nach noch einige Merkmale von Kaltblütern anwesend wie: der reiche Behang mit Kötenbehang an den Beinen; Spurrillen an den Hinterbeinen im Kötenbehang beim Fesselgelenk; Wachstum von Kastanien; Probleme mit der Wärmeabfuhr, unter anderem durch eine dickere Fettschicht unter der Haut (siehe Phryso Nr. 5,2007 Artikel von S. Boersma) und eventuell auch die Spermaqualität. Die Werte, so wurde mir erzählt, ähneln den von Kaltblütern“.

Petra van den Heuvel, seit 30 Jahren Friesenpferde-/Pferde-Journalistin für die größten niederländischen Pferdezeitschriften:
Wie warm (oder wie kalt) ist das Blut von einem Friesen
Es gibt Friesenliebhaber, die starr und steif bei der Meinung bleiben, der Friese sei ein Kaltblut. Schließlich hat er Socken an den Füßen, und daß scheint das ultimative Merkmal eines Kaltblutes zu sein. Shires und Clydesdales haben das auch, und das sind doch Zugpferde, beziehungsweise Kaltblüter. Ebenso wie belgische Zugpferde Kötenbehang an den Beinen haben, und so also auch zu den Kaltblütern gezählt werden. Es gibt genug Menschen, die finden, daß alle Barockpferde im Prinzip Kaltblüter sind. Ich würde sagen, fahren sie mal für ein gemütliches Wochenende nach Wien, bestellen sie Karten für die Wiener Hofreitschule und schauen sich die Lippizaner an und sagen den Bereitern dort anschließend, daß die Show mit den zwölf weißen Kaltblütern wieder besonders gelungen war. Sie können von großem Glück sprechen, wenn sie die Hofburg nicht mit dicken, blauen Augen verlassen. Oder erzählen sie mal den Spaniern, wie ein Landsmann von ihnen doch so schön auf einem kaltblütigen Andalusier hohe Wertnoten bei den Weltreiterspielen in Jerez erhielt. Das Risiko ist groß, daß sie in der örtlichen Arena von Stieren auf die Hörner genommen werden.

Es erscheint einem wie die Geschichte mit dem Huhn und dem Ei. In Wahrheit ist der Friese der letzte Vertreter des ursprünglich west-europäischen Pferdes, wie es seit frühesten Zeiten im Allgemeinen vorherrschte. Das römische Heer kannte bereits berittene Abteilungen friesischer Kämpfer auf ihren Friesen. Natürlich waren die Friesenpferde von damals schwerer als nun, Schließlich mußten sie, denken sie mal an die Kreuzzüge Ende des Mittelalters, geharnischte Ritter tragen. Als das Schießpulver dann erfunden wurde und sich die Kriegsführung änderte, kam die Umformung des Friesenpferdes zu einem eleganten Kutschpferd und geschätztem Schulpferd für die klassische Reitkunst. Dafür benötigte man Pferde, die nicht nur über ausreichend Kraft in der Hinterhand verfügten, sondern auch über natürliche Eleganz, Arbeitsfreude und Intelligenz. Wichtig war in diesem Zusammenhang auch der Einfluß arabischer und andalusischer Hengste während des Achtzig-Jahre-Krieges zwischen den Niederlanden und Spanien (1568-1648). Dies ist der Grund, daß man in den klassischen Reitschulen gerne Friesen verwendete und keine Shires dazu aus England importierte.

Im Gegenteil durch den Export von Friesland nach England (im Mittelalter) ist der Friese durch Verwendung auf einheimischen, englischen Pferden, einer der Stammväter der Shires und der Clydesdales. Auch das schottische Fellpony hat friesische Ahnen, ebenso wie der russische Orlovtraber von einer Friesenstute abstammt. Bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts war die Verwendung des Friesenpferdes als Kutschpferd, Schulpferd und Trabrennpferd üblich, nicht nur in der eigenen friesischen Provinz, sondern auch außerhalb dieser Grenzen. Es war ein edles Pferd, kein Ackergaul. Die Annahme, daß das Friesenpferd ein Kaltblut sein soll, findet schon allein hieraus keinen Nährboden. Das Fortbestehen der Rasse lief Gefahr aufgrund des vielfachen Kreuzen mit anderen (Warmblut)Rassen. Es war schließlich der Anstoß für die Stammbuchgründung 1879. Bemerkenswert ist, daß ab ca. 1915 die Erscheinungsform (eines schwarzen, edlen, eleganten Kutschpferdes mit erhabenen Gängen) veränderte in die eines Landbau- und Zugpferdes. Ohne fremdes Blut, obwohl hier und da sehr wohl mal ein Seitensprung gemacht wurde mit einem „bovenlandse“ Hengst. „Bovenlands“, so werden im Norden der Niederlande die anderen, nicht-friesischen Pferderassen genannt, die heutigen KWPN-Pferde (Königliches Warmblut Pferdestammbuch Niederlande).

Der Friese wurde platter (kleiner qua Stockmaß), stabiler im Bau und mehr ausgerichtet auf die Arbeit auf dem Bauernhof. Möglicherweise, daß einige, die die Geschichte der Rasse nicht kennen, ihre Auffassung, daß das Friesenpferd ein Kaltblut ist, aus dieser Periode entnehmen. Foto’s von Hengsten aus dieser Periode, die bis ca. 1960 andauerte, zeigen meist kräftige, kurzbeinige und wenig edle Hengste, die häufig nach dem damaligen Zeitgeschmack nicht sonderlich elegant portraitiert wurden. Trotzdem kein Grund sie als Kaltblüter schwarz zu malen: die Friesen fehlten allerdings auf den Höfen im Norden Frieslands für den schweren Ackerdienst, wo Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben angebaut wurden. Diese Arbeit war für sie zu schwer, dafür wurden Belgier und Kaltblüter aus der Provinz Zeeland eingesetzt. Die Friesen verrichteten vor allem Arbeit auf dem Feld im Gebiet der Lehmgrundweiden und in der sandigen Heide, standen vor Mähmaschinen und brachten das Heu mit ein. Als die Mechanisierung im Landbau abgeschlossen war, waren hier dann auch die schwersten Schläge zu verzeichnen. Der Friese wurde allgemein „aufgeräumt“, der Traktor (das eiserne Pferd) hatte gewonnen.

Wir kennen die Fortsetzung. Aus eigener Kraft ist in den vergangen dreißig Jahren aus den Resten einer beinahe ausgestorbenen Rasse das Friesenpferd wieder auferstanden, wie schon so häufig in seinem Bestehen. Darüber hinaus wurde das Pferd in dieser Periode umgeformt von Landbau- und Zugpferd zu einem edlen, eleganten Reit- und Fahrpferd. Ohne fremdes Blut zu verwenden. Doch werden einige Rassemerkmale einem Kaltblut-Hintergrund zugeschrieben wie: die Kastanien (nonsens, die kommen bei allen Rassen in groß und klein vor, sind Rudiment einer prähistorischen Zehe), das schwere Skelett mit groben Gelenken (schon mal die eleganten Nachkommen von Tsjerk, Feitse, Doaitsen, Tjsalke oder Folkert gesehen, um nur mal ein paar zu nennen), der Behang (war schon an den Beinen seit der ersten Abbildung aus 1568 und wird wohl Jahrhunderte eher ein Rassemerkmal gewesen sein). Auch wird als Argument die schwache Fruchtbarkeit von Friesen ins Feld geführt, sowohl bei den Hengsten (Sperma) als auch bei den Stuten und die vorkommenden Abweichungen wie Zwergwuchs, Wasserköpfe und andere leidige Sachen.

Meiner Meinung nach ist das Blut eines Friesen so warm wie das eines Holsteiners, Lippizaners, Westfalens, KWPN-ers und so weiter. Die größte Gefahr für die Rasse ist nicht die Diskussion über einen warm- oder kaltblütigen Zustand. Die größte Gefahr birgt das ungezügelte Vermehren der letzten fünfzehn Jahren, in denen Blutlinien und Abstammungen nicht beachtet wurden und nur geschaut wurde wieviel Geld man im Inland und vor allem im Ausland mit einem Friesen verdienen konnte. Dem haben wir das Fruchtbarkeitstief zu verdanken und die anderen Unannehmlichkeiten, die nun hervorkommen. Wir sind seit einigen Jahren dabei, den wertvollen und einzigartigen Genpool des Friesenpferdes zu vermurksen und zu verwässern. Es wird Zeit für straffe Maßnahmen, aber es ist niemand da, der sich traut. Der Kommerz hat viele fest im Griff, auch wenn wir damit die Rasse aufs Spiel setzen.