gewöhnen. Mitglieder halten an der Mandatsregel fest, interessante Themen stehen an Inzucht und Mißgeburten, Kroonprädikat, Vereinssitz ....

Auf der letzten Allgemeinen Mitgliederversammlung des Friesenpferde-Stammbuch in den Niederlanden im Herbst 2006 hatten die Mitglieder einer neuen Vereinssatzung nur unter einem Vorbehalt zugestimmt: die in den Mitgliederrat gewählten Vertreter sollen die Meinung ihrer Region vertreten also nur mit Mandat. Besonders ist auch die Wahl der Vertreter, daß nämlich engagierte Mitglieder direkt von der Basis gewählt, den Mitgliederrat formen sollen.
Seit der KFPS-Mitgliederrat am 5. April zum ersten Mal zusammen kam und aufgrund der Mandatsklausel keine Entscheidungen treffen konnte und wollte, haben einige bemerkenswerte Entwicklungen statt gefunden. Zum einen mußten persönliche Fehden im Interesse einer fruchtbaren Zusammenarbeit begraben werden, zum anderen mußten erneute Mitgliederversammlungen in den Regionen die Vertreter mit einem neuen Mandat ausstatten. Dies Hin- und wieder Zurück bringt zwar keine schnellen Entscheidungen, aber es entsteht ein Dialog, der die Mitglieder an den Verein bindet. Man fühlt sich wieder betroffen. Es macht wieder Sinn, Mitglied zu sein und sich als ernst genommenes Mitglied zu fühlen.

Das neue Modell trägt Früchte
Das althergebrachte Modell, daß die Vertreter frei entscheiden dürfen, konnte sich bei den niederländischen Mitgliedern nicht durchsetzen. Eine engagierte Vereinsbasis will in ihrer Vielfalt an den Entscheidungen im Stammbuch teilhaben. Das wurde auf den Versammlungen unmißverständlich und zum zweiten Mal beschlossen. Die Mitbestimmung soll für die Bereiche Zucht, Finanzen und Vereinssitz gelten. Personalentscheidungen für Kommissionen dürfen von den Vertretern frei getroffen werden. Die Tatsache, daß man nun in regionalen Versammlungen informiert und gefragt wird, wird von den Mitgliedern angenommen. Mehr als erwartet, kamen bis jetzt zu den Versammlungen. Die kontroversen Diskussionen im positiven Sinn lassen vermuten, daß für viele Teilnehmer so drei Versammlungen pro Jahr durchaus einen attraktiven Entscheidungsprozeß darstellen. Und es stehen interessante Themen an.

Thema Inzucht und Mißgeburten
Beiträge im Phryso, Hoefslag und der Paardenkrant sowie der Zusammenschluß der beiden Hengsthalter Vereinigungen unter Leitung von Andries Zandee von der tiermedizinischen Fakultät in Utrecht haben das Thema Inzucht und Mißgeburten bei Friesenpferden thematisiert. Eine sachliche und nicht überzogene Diskussion sollte dabei in den Vordergrund gestellt werden, denn die Aspekte könnten schnell ungewollten Schaden anrichten. Es ist aber gut, daß endlich nicht nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert und gemauschelt wird. Drei Hauptaspekte sind zu beachten.

1. Das Friesenpferd in seiner genetischen Vielfalt erhalten
So entsetzlich wie die Einzelfälle auch sind, ein Ausschluß aller männlichen und weiblichen Träger der Gene ist unrealistisch, da es noch keinen akzeptablen Test gibt. Hinzu kommt, daß diese Tiere auch viele positive Eigenschaften besitzen und man letztendlich mit einem Ausschluß das Inzuchtproblem nur verschärfen würde. Über welche Art von Mißbildung handelt es sich? Wasserköpfe (KFPS schätzt die Zahl auf 50), Zwergwuchs (KFPS schätzt die Zahl auf 30), Fohlen ohne Anus oder Augen, Mißbildung von Aorta und Schlund. Am problematischsten sind hierbei Fohlen mit Wasserköpfen, die nicht nur den Tod des Fohlens bedeuten, sondern häufig auch den Tod der Stute verursachen.

2. Züchter schützen
Stellen Sie sich vor, sie haben gerade eine teure Zuchtstute gekauft und sind noch vollkommen ahnungslos zu einem Hengsthalter gegangen und haben Sperma bestellt. Natürlich warnt das Stammbuch vor hohem Inzuchtfaktor über 4 Prozent. Trotzdem sehen sie auf den Zuchtschauen genügend interessante Tiere mit wesentlich höherem Faktor und denken sich „ach, das wird ja gar nicht so heiß gegessen wie es gekocht wird“. Im nächsten Jahr hat es sie getroffen. Sie gehören zu den ca. 1,5% Unglücklichen, die eine Mißgeburt vor sich sehen und dann noch ein Fohlen mit einem Wasserkopf, der ihre Stute in ernste Gefahr gebracht hat. Neben der Erschütterung fühlen sie sich auch betrogen.

3. Hengsthalter schützen
Den Hengsthaltern alle Kosten und Verantwortung aufzuerlegen oder noch mehr Hengste aus der Zucht zu nehmen, kann nicht die Lösung sein. Das Ausleseverfahren in der Friesenzucht des Ursprungsstammbuches ist wohl das härteste in der Pferdewelt. Die hohen Kosten, die den Hengsthaltern für die Nachkommenskörung auferlegt werden, sind auch einzigartig in der Pferdezucht und machen andererseits die Friesenzucht zu etwas Besonderem.

Es ist aber auch wichtig, daß die Hengsthalter stark risikobehaftete Anpaarungen ablehnen. Dies ist der Fall, wenn der Deckhengst Träger des Gens ist, welches Zwergnachkommen oder Fohlen mit Wasserköpfen zur Folge hat und im Papier der Stute ein bekannter Träger vorkommt. Anfang Mai wurde ein gemeinsamer Brief vom Stammbuch und dem Bund der Hengsthalter an die einzelnen Hengsthalter geschickt, mit der dringenden Bitte, diesem Problem Beachtung zu schenken solange bis ein DNA-Test zur Verfügung steht.


Hier eine tragfähige Lösung für alle Parteien zu finden, stellt die niederländischen Mitglieder und den Mitgliederrat vor keine leichte Aufgabe. Der Übergang zu dem nächsten Thema ist fließend.

Deckbeschränkung und Ahndung der Überschreitung
Deckbeschränkungen für die Friesenhengste wurden 1991 eingeführt, um den Inzuchtfaktor nicht übermäßig ansteigen zu lassen. Seit 2005 gelten selbst empfindliche Strafen nämlich 2000€ pro Überschreitung. Die Hengsthalter weigern sich aber, die Strafzahlungen zu leisten. Wie konsequent muß das Stammbuch die Forderungen einklagen? Die Forderungen bewegen sich zwischen 200.000 und 300.000 Euro pro Jahr.

Kroonprädikat
Zwischen Ster und Model soll ein neues Prädikat eingeführt werden.

Stammbuchsitz Drachten
In nächster Zeit beginnen die Verhandlungen, um die Verlängerung des Mitvertrages mit ESBO, der Gesellschaft, die 2004 die Immobilie in Drachten übernahm. Grundsätzlich möchte das KFPS seinen Sitz in Drachten an der Oprijlaan behalten, aber nicht um jeden Preis.


Abschließend betrachtet, sind mehrere Faktoren entscheidend, ob Vereinsmitglieder wirklich an einem Entscheidungsprozeß teilnehmen. Zum einen müßen die Mitglieder überhaupt wollen und ihre Rechte mit Zähigkeit einfordern. Schließlich macht es sch ein Vereinsvorstand auch gerne einfach. Zum anderen kann es einen Vorstand auch zu kommunikativen Höchstleistungen auffordern, die letztendlich die Brücken schlagen, um aus zahlenden Mitgliedern einen Verein, eine vielstimmige Gemeinschaft machen.

Übersetzung der offizielle Seite vom KFPS über "Erbliche Abweichungen".